Blog

Des Kinis Radltagebuch, Teil neun

Der König ist höchst verärgert: Impertinente Mediziner wollen ihm und der Velocipeden-Gemeinde die Zwangsjacke anlegen.

Ist es nicht eine sehr einseitige Sichtweise, wenn sich beim Thema Radverkehr fast alles immer nur um die vermeintlichen Fehler der Zweiradfahrer dreht!? Zu Zeiten des Kinis war das auch nicht anders. Es sollten Gesetze geschaffen werden, die das Radfahren beschränken, aber keineswegs fördern sollten. Vielmehr war man der Meinung, dass die neue Fortbewegungsart eine Gefahr für die Allgemeinheit darstelle und der geistigen Gesundheit der Fahrer nicht zuträglich sei.

Diejenigen, die tagtäglich auf dem Fahrrad unterwegs sind, können sicherlich ein Lied davon singen: Die größte Gefahr im Straßenverkehr geht weiterhin von den Stärksten, also von Autos und Lastwagen aus. Dieses Sicherheitsrisiko gilt es einzudämmen! Auch wir wehren uns gegen die Zwangsjacken im Straßenverkehr und fordern höhere Investitionen für die Sicherheit der Radfahrer. Unterstützt uns dabei und fordert auch ihr ein Rad-Gesetz für Bayern!
 

„12. Dezember 1880 - Die Zwangsjacke ist kein geeignetes Fahrradcostume!

Es ist schon ein gar bizarres Ding mit der Welt, dass meine Compagnons und ich uns für das Velofahren befleißigen, wohingegen verschiedene politische Gremien von Staats wegen gegen unsere hehren Ambitionen katzbalgen. Es mutet an, als ob Kuckuck und Esel Hochzeit abhalten wollten oder als hätte mein lamentabler Bruder Otto das Heft der Regentschaft an sich gerissen. Getreu dem Principe „Nach der Kraft giebt es nicht so Hohes, als ihre Beherrschung!“ feilen sie an einer Welt ohne Velociped und tun unsere Exercises als ridicule Marotten ab. Sie desavouieren, dass sich im Radfahrerthum ein gewisser sozialistischer, quasiment revolutionärer Esprit erkennbar mache, indem ein grosser Theil der Velocipeden zu einer gewaltsamen, physischen Vorherrschaft im öffentlichen Verkehr hinzielte. Entgegen seinem natürlichen und gesetzlich gegebenen Reglement! Unser Streben nach mehr Bewegungsfreiheit endet einmal mehr in der Zwangsjacke!

Und genau in selbige wollen uns impertinente Mediciner wie Mendelsohn stecken, indem sie die Folgen des Pedaltretens für Körper und Geist als höchst dangereux brandmarken. Demnach versetze das Velocipedieren in einen bizarren psychischen Zustand, produiert von der schnellen Vorwärtsbewegung und dem monotonen regelmäßigen Treten. Sie affirmieren, dass es eine Art Blocage specieller Hirnteile, eine Form von Anästhesie, bewirke, die entfernt mit dem Effet von Haschisch comparabel sei. Man fragt sich, welcher Mixture der Verfasser dieses Papieres zugesprochen hat! Viel fehlt nicht und sie stellen uns als Curiosité zusammen mit den Lappländer Polarmenschen während der Völkerschau auf dem Oktoberfest aus - und zwar mit ihren Renthieren und Eishunden!

So wonnevoll könnte ich jetzt meine erste Nacht in der Neuen Burg Hohenschwangau celebrieren, doch liege ich wach mit Imaginationen der degoutantesten Art. Mon dieu, schaffe Platz in dieser engen Brust!"

Weiterlesen

Des Kinis Radltagebuch, Teil acht

Von unsinnigen Radverkehrs-Verordnungen, desolater Infrastruktur und vergessenen Verkehrsteilnehmer*innen

Im heutigen Tagebucheintrag wird der Kini ungewöhnlich deutlich: Er prangert unsinnige Verordnungen bezüglich des Radverkehrs an und beschreibt die desolate Infrastruktur. Auch wenn der Bau eines Trambahnnetzes für die Bürger der Stadt eine wichtige Neuerung darstellt, so dürfen die anderen Verkehrsteilnehmer dabei nicht vergessen werden! Daher möchte er einen Teil der staatlichen Investitionen gerne für die Fahrrad-Infrastruktur angelegt wissen. Ob jedoch ein Befehl seinerseits hierfür ausreicht?

Jedenfalls wissen sich die Mitglieder des Münchener Velociped-Clubs zu helfen und zeigen einflussreichen Persönlichkeiten, was radfahrtechnisch alles in ihnen steckt. Den Zuschauern wird jedoch nicht bewusst gewesen sein, welch wohlgeborene Persönlichkeit vor ihnen seine Kunststücke aufführte!

Auch wir fordern deutlich höhere Investitionen für die Fahrrad-Infrastruktur. Unterstützt uns dabei und fordert auch ihr ein Rad-Gesetz für Bayern!

 

„23. Oktober 1876 - Ein Velociped ist keine Straßenbahn!

Das ortspolizeiliche Decret, wonach das Fahren mit Velocipeden innerhalb des Burgfriedens gänzlich untersagt wurde, war nicht angethan, die Entwicklung des Clubs zu fördern! Alles Raisonnieren meinerseits konnten daran nichts ändern. À nouveau muss ich percipiren, dass ich nicht nur ein Vasall der Preußen, sondern auch Geisel des Münchener Magistraten bin! Mit einer Velociped-Aufführung haben wir gegen dieses Treiben sans nom opponirt. Es ergingen in den weitesten Kreisen Invitationen zum Spectacle auf dem neuen Velo-Trainingsgelände am Georg-Hirschmann-Platz. Ja sogar Polizeidirektor v. Burchtorff und einige Herren der Direktion sagten ihr Erscheinen zu. Der Triomphe war ein durchschlagender. Nach einer mit Präcision gefahrenen Jokaiquadrille gab ich mit Heimerl, Wehner und Oppers Soloproductionen zum Besten, welche die Manifestation lieferten, dass die Fahrkunst die Despektion nicht verdient, mit der sie allerorts belächelt wird. Das Decret erlitt noch am selbigen Abend einen dolorösen Kopfsturz!

Als hätte indes der unsägliche Bann der Velocipeden nicht schon genug Unbill angerichtet, gab Bürgermeister von Erhard die Order, alle Groschenwagen abzuschaffen. Er ertheilte dem Belgier Otlet die Commission, Trambahnlinien in der gesamten Stadt zu errichten. In den letzten Monaten gemahnten die Chausseen an ein Schlachtfeld im Kriege! Tiefe Blessuren klafften in den Fahrbahnen, puisque allerorts die Rillenschienen verlegt wurden. Von jenen geht auch nach der Finissage eine immense Fährnis aus, derweil sich die Räder der Velocipeden darin verfangen können. Heute ereigneten sich deswegen schon zwei gefährliche Stürze. Laternenanzünder Katzlberger, einer von Heimerls Adjuncten, erlitt derart malade Blessuren, dass ein ganzes Viertel jetzt die Dunkelheit fürchten muß!

Aber das Schlimmste an dem Project ist, dass derlei „Entgleisungen“ dem Velo-Trafic das Financement untergraben. Mein königlicher Wille ist es gleichwohl, dass derlei Investissements nach Maßgabe meiner getroffenen Anordnungen conforme Vollendung finden!“

Weiterlesen

Des Kinis Radltagebuch, Teil sieben

Wie der Kini mit seinen Ideen zum Fahrrad die Bayreuther Festspiele revolutionieren wollte

Diese Woche steht das Radl-Tagebuch König Ludwigs ganz im Zeichen Richard Wagners und seines Rings des Nibelungen. Aber der Kini wäre nicht der Kini, wenn er nicht auch aus den ersten Festspielen in Bayreuth im Jahre 1876 ein ganz spezielles Event machen würde. So reist er die letzten Kilometer per Hochrad an und möchte seine Radideen auch gerne auf der Bühne des Bayreuther Festspielhauses sehen. Wer weiß, was gewesen wäre, wenn Wagner seinen Vorstellungen nachgegeben hätte!

Die Schilderung eines sehr lebhaften Traumes bringt zudem ans Licht, dass Ludwig II. sein Velo-Gesetz-Projekt nie ganz aus den Augen gelassen hat.

10. August 1876 - Das Rad des Nibelungen

In Bayreuth habe ich mich ganz dem Genusse der hehren Festspielaufführungen geweiht. Alles, was eine Ovacion von seithen der Bevölkerung auch nur streift, konnte ich fernhalten: Tafeln, Audiencen, Visitationen fremder Messieurs sind mir erspart geblieben. Alles dies hasse ich mit aller Macht der Seele! („Wild und kraus kreist die Welt!“) Derweilen das gute Volk Bayreuthens am Bahnhofe meiner harrte, verließ ich den Zug unweit des Rollwenzelschen Maison, wo dereinst Jean Paul lebte und dichtete. Mein Velociped hatte ich für diesen Zweck im Wagon de Bagages deponiert, so dass ich damit den letzten Theil bis zur Eremitage pedallieren konnte. Es war eine vortreffliche Sommernacht, der Mond schien hell, nur von raschziehenden zackigen Wolken für einen Augenblick verhüllt. Mein innigst geliebter Freund Wagner erwartete mich schon an meiner Destination und verwickelte mich in der Folge in eine Debatte vivant. Er schilderte mir seine Ideen zur Inscenierung des „Ring des Nibelungen“. Noch ganz überwältigt von meinem Velo-Ritt unterbreitete ich ihm sodann meine Suggestion, anstatt des Ringes des Nibelungen ein Velo in das Oevre zu incorporieren. Auch wünschte ich mir, er wolle doch - wer weiß, welche Walküre mich geritten hatte - Siegfried als Zeichen seiner Unverwundbarkeit Banderoles orangé an den Oberarmen fixieren! Wagner zitierte darauf aus seinem Werke: „Da reitet er hin auf lichtem Roß: mir läßt er Sorg' und Spott!“

In der Nacht träumte mir, dass ich an der Welt-Esche Yggdrasil angelangt war und wie weiland Wotan einen kräftigen Ast abbrach, um damit zwei Pedale für meine Velociped zu modellieren. Auch gravierte ich Runenzeichen in das heilige Holz als Symbole für das von mir anvisirte Velo-Gesetz. „Als junger Liebe Lust mir verblich, verlangte nach Macht mein Mut, von jäher Wünsche Wüten gejagt, gewann ich mir die Welt.“

Weiterlesen

Des Kinis Radltagebuch, Teil sechs

Über des Königs erste Fahrversuche auf einem Hochrad

Im heutigen Tagebucheintrag erhalten wir Einblick in die Aktivitäten des Münchener Velociped-Clubs und dass man auch damals nichts unversucht ließ, um sein Fahrzeug zu optimieren. Außerdem begleiten wir den Kini bei seinen ersten Fahrversuchen auf einem Ordinary, also einem Hochrad, und erleben hautnah, wie schmerzhaft und folgenreich ein Sturz aus schwindelnden Höhen sein konnte. Zumindest wissen wir jetzt, was tatsächlich zu seinen Zahnproblemen geführt hat!

Zwar lag aufgrund von Kriegsgeschehnissen und politischen Querelen das Thema Velo-Gesetz für einige Jahre auf Eis. Dennoch wird unser Protagonist nicht müde, die schlechte Infrastruktur für Fahrradfahrer anzuprangern. Und selbst, wenn wir uns heute auf komfortablen gefederten Fahrrädern mit Gelsätteln fortbewegen, so riskieren wir aufgrund ungleichartiger Radwege nicht nur Zähne, sondern auch Gesundheit und Leben.

Um eine einheitliche Radwege-Infrastruktur zu erreichen, fordern wir daher ein Rad-Gesetz für Bayern!
Unterstützt uns dabei!
 

23. August 1875 - Hochrad kommt vor dem Fall

Die gestrige Truppenparade erweckt wieder die Schatten des unsäglichen Abschlachtens in meinem Kopfe. Verstimmend wirken die politischen Verhältnisse auf mich ein und der Verkehr mit nicht radelnden Contemporaines kommt mir nichtssagend und fade vor. Viel lieber verlebe ich mit meinen Club-Kameraden die Zeit, unbekümmert durch die geifernden Schlangenzungen.

Die letzten Wochen und Monate brachten wir damit zu, aus den unbequemen Michauxens „Boneshakern“, also Knochenschüttlern, komfortablere Gefährte zu machen. Von Paris und London drang die dunkle Kunde, dass man dort mit Gummireifen führe. Stängl besann sich nicht lange und ließ sich ein Paar aus Paris kommen. Doch mit der Longterme-Befestigung am Rade hapert es noch. Ich indes will mich in ungeahnte Höhen schwingen, zumal die Bulletins aus der englischen Metropole ein nie dagewesenes Fahrgefühl versprechen. Emerson, ein Student am Polytechnikum, hat die erste dieser Hochrad-Maschinen in München gebaut und durch Heimerl ist sie dann zu mir gelangt. Und mit justement celui-ci unternahm ich meine ersten Fahrversuche – oder soll ich sie lieber Sturzversuche nennen! Wohlweislich war ich bei den ersten Lecons gut ausstaffirt und mein Maitre hatte noch eine Flasche Zaubernuss-Elixier im Petto. Letzterem sprachen wir beide mehrfach zu und zwar gleichermaßen, da ich das eine oder andere Mal meinen Instructeur als Kissen missbrauchte, das den Sturz abmildern sollte.

Nachdem die Tour de force gelungen war und ich mich im Sattel halten konnte, verlegten wir unsere Exercices in die Krankenhaus-Allee. Doch das unebene Stückwerk der Chaussee und die vielen neugierigen Blicke führten alsbald zu einem indiciblen Kopfsturz, bei dem ich alle Vorderzähne verlor. Um mein Double-Vie vor dem Volk geheim zu halten, werde ich den Verlust meiner Zähne mit übermäßiger Nascherei-Consumation erklären. Das Volk ist zwar gut, sein innerster Kern gesund, aber urteilslos und leicht lenkbar!“

Weiterlesen

Des Kinis Radltagebuch, Teil fünf

Von Velociped-Dieben und Schändern

Heute erfahren wir, dass sich der Kini lieber um Radgesetze als um die Allianzen mit Preußen kümmerte. Des Weiteren entnehmen wir seinem Tagebuch, dass er als erstes Mitglied in den Münchener Velocipeden-Club aufgenommen wurde und sich deren Statuten sehr gerne auf die eigene Fahne schrieb. Auch im Jahre 1869 war man wohl nicht gefeit vor Fahrraddieben und die Abstellmöglichkeiten für das Zweirad ließen zu wünschen übrig.


Im Jahre 2018 sind die Ballungszentren Bayerns ebenso kein sicherer Hort für Fahrräder. Daher fordern wir ein Radgesetz für Bayern (das der Kini ja leider nicht mehr auf den Weg bringen konnte)!

"2. Juli 1869 - Velociped-Diebe und -Schänder!

Dieses entsetzensvoll, gräßliche Berufsleben, das oft geradezu zur Unerträglichkeit sich steigert, hält mich mit Vehemenz im Griff. Gerade empfing ich Minister von Hohenlohe, der mir von seinem Gespräch mit Bismarck berichtete und mir weiß machen möchte, dass dem stolzen Bayernlande keine Bedrohung von Preußen drohe. Und selbst wenn! Ich kann mich des schnöden Allianzvertrages jederzeit entsagen, derweil darin ein Passus verborgen, der die Aufhebung stante pede möglich macht. Als gäbe es nicht Gesetze mit weit bedeutenderer Importance, als mich zum Vasallen des Preußischen Heringsbändigers zu machen!

Alsbald will ich nach der Riß fahren, da der österreichischen Kaiser eine Frequentation in München plant, der ich absolutement zu entgehen gedenke. Doch ehe ich dem engen München den Rücken kehre, habe ich noch einmal meinen Kameraden eine Visite erwiesen. Justement ein Jahr nach unserem nächtlichen Ausritt haben diese muthigen Pedalritter einen formidablen Velociped-Club constituiert. Es gilt, die praktische Verwertung des Velocipeds zu fördern und die Beseitigung etwaiger Hindernisse in diese Richtung voranzutreiben. Und da existiert ein enormes Bedürfnis! Erst vor zwei Wochen musste Josef Stängl den Diebstahl seines Velocipedes beweinen, das er nur en peu de temps vor der Zug-Station geparkt hatte. Ebenso wurden die Fahrzeuge der Herren Fenzl und Pfretzschner ein victime der Randalierer!

Für nur zwei Gulden bin ich nun Mitglied in dieser extraordinären societé. Wenn ich im Dunstkreis der Berge wieder atmen kann, setze ich mich daran, ein Radgesetz zu formulieren. Möge Hohenlohe hier seine politischen Ambitionen ausagieren, bevor er irgendwelche Händel mit Bismarck beschließt!"

Weiterlesen

Des Kinis Radltagebuch, Teil vier

Erste Velociped-Nacht: Ein nächtlicher Wallkürenritt


Wenn das kein Zufall ist! Auf den Tag genau 150 Jahre vor der Münchner Radlnacht unternahm der Kini mit einigen Velociped-Begeisterten eine Radtour durch das nächtliche München. Wie wir seinem kürzlich entdeckten Tagebuch entnehmen, ging es ihm auch damals um ideale Fahr-Bedingungen auf zwei Rädern. 

Außerdem erfahren wir, mit wem Ludwig diesen tollkühnen Einfall ausgeheckt hat und von welcher Stelle aus sie starten wollten. Was wir nicht erfahren: Wie viele Teilnehmer konnten insgesamt für diese Idee gewonnen werden. 
Wir hoffen aber, dass am kommenden Samstag möglichst viele Radler bei der Radlnacht erscheinen, um mit uns für ein Radgesetz für Bayern Stärke zu zeigen!
Kommt zu uns und holt euch ein Paar Schwimmflügel! Je mehr Leute mitmachen, umso mehr Aufmerksamkeit bekommt unsere Initiative!

"8. Juli 1868  Nächtlicher Walkürenritt – Erste Velociped-Nacht

Die Schöpfung verlieh dem Individuum die Capacité, sich kraft des eigenen Willens von einem Orte zum andern fortzubewegen. Im Vergleich zur Creathur setzen ihn seine geistigen Kräfte in den Stand, sich Hilfsmittel zu verschaffen. So kann er auch die Schnelligkeit der untergeordneten Geschöpfe erreichen und sogar übertreffen. Wenngleich noch lange nicht so schnell wie der Gepard, so kann ich es mit Leichtigkeit mit den behäbigen Mähren auf den Chausseen aufnehmen.

Auf meinen heimlichen Streifzügen durchs unwirthliche München konnte ich rapidement eine gute Handvoll Mitstreiter finden, die meine Passion für das Velociped teilen. Maschinentechniker Conrad Gautsch und Privatier Christian Erlacher, der königliche Hofbalettmeister Franz Fenzl wie auch die Solotänzer Käsmann und Stettmayer – zwei überaus schneidige Gesellen! - ebenso Josef Stängl vom Café Probst. In selbigem Café waren wir daher jederzeit für ein geselliges Zusammensein willkommen.

Just am Sankt Urbantag muss es gewesen sein, als uns die Idee glorieusement eingegeben ward, des Nachts einen wilden Ritt auf unseren zweirädrigen Schlachtrossen zu unternehmen. Gleich den reitenden Walküren wollten wir uns der Stadt mit all ihren Chausseen habhaft machen. Um ungebremst von der bewaffneten Macht, die uns mit donnerndem Halt zum Absitzen zwingen möchte, vorwärtszukommen, wählten wir das Dunkel der Nacht.

Und tatsächlich: Auf unserer Tour vorbei an den schlafenden Standbildern meiner Ahnen konnten wir wahre liberté erleben.
All Heil!"

Weiterlesen

Des Kinis Radltagebuch, Teil drei

Auch in dieser Woche weiß der Radl-Kini wieder Interessantes aus der Welt des Velociped-Fahrens zu berichten.

Diesmal erfahren wir, dass auch schon damals der Stärkere das Sagen auf den Straßen hatte, wie der neue Gruß unter den Radfahrenden lautete und welche Anstrengungen der Kini unternahm, um das Radfahren in Bayern populär zu machen.


"14. Oktober 1867: Wie echte Velo-Helden grüßen.

Es laufen so viele Gerüchte durch die Zeitungen über mich und Sophie, daß ich mich in mein geliebtes Hohenschwangau, den Ort, der mir der theuerste auf Erden ist, verigelt habe. Ich mache viele Ausflüge, neulich ritt ich auf meinem getreuen Radrosse bis nach Imst in Tyrol und kehrte noch am nämlichen Tage hierher zurück. Freilich war ich incognito unterwegs, wie schon so oft erwies mir der Name von Berg vortreffliche Dienste. Das Fortkommen auf den Routes rurales war von erheblichen Hindernissen begleitet. Die Kutscher der Ochsenkarren kennen scheinbar kein Hü und Hott! Mal spazieren sie links, mal rechts auf der Chaussee. Wir Velohelden müssen unsere Spur unter Einsatz unseres Lebens immer wieder von Neuem suchen.

Auf den Straßen macht indes ein neuer Gruß unter uns Velo-Jüngern die Runde: „All Heil!“ Wenn ich unterwegs bin, dann schmettere ich ihn dem Volk wie selbstverständlich zu. Wenn ich die kuriosen Grimaces der Leute sehe, dann möchte ich mich vor Lachen schütteln.

Vor zwei Wochen habe ich mich darangesetzt, in München ein Zeichen für unsere neue Idee zu setzten. Das Standbild des Bayernvolkes – die ehrerbietige Bavaria - ziert ab sofort der Doppellorbeer, ein Symbol des Fortschritts durch die Velocipeden. Es ist en moment nur ein Provisorium, doch zeigte sich Vetter und Courtjumeau Wilhelm begeistert von der Photographie, die ich ihm zugesandt."

Weiterlesen

Des Kinis Radltagebuch, Teil zwei

Noch sind wir über alle Maßen überwältigt, welch großartiger Fund unseren ADFC-Historikern da in die Hände gefallen ist. Das Radl-Tagebuch des Kinis!

So kann Jede*r detailliert erfahren, wie König Ludwig II. zum Radfahren gekommen ist und auf welchem Weg er sein erstes Velociped erhalten hat. Außerdem können wir hautnah miterleben, wo und wie er seine ersten Fahrversuche unternahm. In den Unterlagen ist zudem das Autograph mit der Geldanweisung für die Hersteller des Fahrrads, Pierre und Ernest Michaux, aufgetaucht. Demnach hat der Kini 110 Gulden für das Gefährt bezahlt, was heute in etwa 1300 € entspräche!


"3. September 1867: Es ist unterhaltlich!

Mit großem Pomp kam heute die Holzkiste mit der Michaux-Maschine aufgefahren. Kaum konnt ich die ungeduldige Zeit bis zur Lieferung vertreiben. An prompter Bezahlung wird es keinesfalls fehlen! Hornig machte sich gleich daran, die verschiedentlichen Theile in die correcte Facon zu bringen.

Das Fahren mit dem Gefährt geht bey mir schon ganz passabel; gleich zog ich meine Runden durch die Fluchten des Schlosses und fuhr ringsum durch alle Säle. Dabei habe ich so manches Meuble geschrammt. Von Orff wird mich für meine Unbedacht sicherlich schelten. Aber es ist unterhaltlich!

Ich muss in der Kunst zu fahren noch mehr erfahren, ehe ich mich selbst in das Freye getraue. Ob von Jolly in seinen Vorlesungen der Physik schon ein Velociped in seinen Berechnungen bedacht hatte? Aber noch sind die Chausseen der Stadt nicht geschaffen für einen Waghals wie mich, der die Welt in Grund und Boden strampeln möchte! Es ist höchst beklagenswert, daß die Trottoirs den Rittern zu Pedale seit den Draisschen Laufmaschinen verwehrt sind. Ich habe diese Misere bei den Ministern schon vorgebracht. Doch was tun die Herren zu Hohenlohe und ihre Schergen? Sie antichambrieren und machen den Buckel krumm, doch wenn ich, meines Zeichens König des Bayernlandes, die heimischen Wege durchstreifen möchte, setzt man mir einen Klotz vor die Thür!"

Text der Geldanweisung:

"Wir haben uns allergnädigst bewogen, den Maschinenbauern und Construkteuren Pierre und Ernest Michaux für die Auslieferung eines Velocipedes die Auszahlung einer Rate von 110 Gulden anzuweisen.

Hohenschwangau, 4. September 1867"

Weiterlesen

Historischer Fund: Radl-Tagebuch von König Ludwig II. aufgetaucht

Vor Kurzem haben ADFC-Historiker bei Recherchearbeiten das königlich-bayerische Velo-Gesetz entdeckt.

Der Erlass desselben wurde bereits 1880 von König Ludwig geplant. Ehe das Velo-Gesetz in Kraft treten konnte, ertrank der Kini am 13. Juni 1886 unter bis heute ungeklärten Umständen im Würmsee.

Neben dem königlich-bayerischen Velo-Gesetz machten die Historiker des ADFC einen weiteren historischen Fund: Das Radl-Tagebuch von König Ludwig II..

Aus Anlass seines 132. Todestages veröffentlicht der ADFC Bayern hier in regelmäßigen Abständen Einträge aus dem Tagebuch des Kinis:

"25. Juli 1867: Auf den Chausseen von Paris!

Ich habe mich der verdammten Höllendämmerung, die mich beständig in ihren qualmenden Dunstkreis reißen will, entzogen. Fern der profanen Alltagswelt, der heillosen Politik, die mit ihren Polypenarmen umschlingen will und jede Poesie so gerne ersticken möchte.

Schon deuchte mir, dass die Generation der Willensfestigkeit und Thatkraft, die Menschen des Muthes und der richtigen Überzeugung, wie ich sie will und brauche, ausgestorben sind. Ich fühlte mich deßhalb wie einsam und verlassen auf dieser Erde, wie übrig geblieben aus einer besseren Zeit, hineingepflanzt in die jetzige, die ich bis jetzt immer gehasst.

Doch dann schickt mir das Schicksal diese Invitation Kaiser Napoleons zur industriellen Exposition in Paris! Und wollte ich mir auch so manche Inspiration für mein architektonisches Königsmärchen holen, so ist jetzt mein Augenmerk auf ein ganz anderes Erzeugnis gestoßen. In den riesigen Hallenfluchten der Weltschau erblickte ich ein Fahrgerät der gänzlich anderen Art. Ein gewisser Michaux will es erdacht haben: das Velociped. In Paris sind diese Vehikel schon eine feste Institution und dort ist das Velofahren quasi soziale Praxis geworden. Den Leuten auf den Chausseen scheint es so wichtig wie das Tanzen und das Reiten. Das ist der Schlag Mensch, auf den ich bauen möchte!

Ein Exemplar habe ich mir für mein persönliches Amüsement schon erstanden… und einen osmanischen Kiosk. Mein Lebensglück scheint wiederhergestellt!"

Weiterlesen