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Des Kinis Radltagebuch, Teil fünf

Von Velociped-Dieben und Schändern

Heute erfahren wir, dass sich der Kini lieber um Radgesetze als um die Allianzen mit Preußen kümmerte. Des Weiteren entnehmen wir seinem Tagebuch, dass er als erstes Mitglied in den Münchener Velocipeden-Club aufgenommen wurde und sich deren Statuten sehr gerne auf die eigene Fahne schrieb. Auch im Jahre 1869 war man wohl nicht gefeit vor Fahrraddieben und die Abstellmöglichkeiten für das Zweirad ließen zu wünschen übrig.


Im Jahre 2018 sind die Ballungszentren Bayerns ebenso kein sicherer Hort für Fahrräder. Daher fordern wir ein Radgesetz für Bayern (das der Kini ja leider nicht mehr auf den Weg bringen konnte)!

"2. Juli 1869 - Velociped-Diebe und -Schänder!

Dieses entsetzensvoll, gräßliche Berufsleben, das oft geradezu zur Unerträglichkeit sich steigert, hält mich mit Vehemenz im Griff. Gerade empfing ich Minister von Hohenlohe, der mir von seinem Gespräch mit Bismarck berichtete und mir weiß machen möchte, dass dem stolzen Bayernlande keine Bedrohung von Preußen drohe. Und selbst wenn! Ich kann mich des schnöden Allianzvertrages jederzeit entsagen, derweil darin ein Passus verborgen, der die Aufhebung stante pede möglich macht. Als gäbe es nicht Gesetze mit weit bedeutenderer Importance, als mich zum Vasallen des Preußischen Heringsbändigers zu machen!

Alsbald will ich nach der Riß fahren, da der österreichischen Kaiser eine Frequentation in München plant, der ich absolutement zu entgehen gedenke. Doch ehe ich dem engen München den Rücken kehre, habe ich noch einmal meinen Kameraden eine Visite erwiesen. Justement ein Jahr nach unserem nächtlichen Ausritt haben diese muthigen Pedalritter einen formidablen Velociped-Club constituiert. Es gilt, die praktische Verwertung des Velocipeds zu fördern und die Beseitigung etwaiger Hindernisse in diese Richtung voranzutreiben. Und da existiert ein enormes Bedürfnis! Erst vor zwei Wochen musste Josef Stängl den Diebstahl seines Velocipedes beweinen, das er nur en peu de temps vor der Zug-Station geparkt hatte. Ebenso wurden die Fahrzeuge der Herren Fenzl und Pfretzschner ein victime der Randalierer!

Für nur zwei Gulden bin ich nun Mitglied in dieser extraordinären societé. Wenn ich im Dunstkreis der Berge wieder atmen kann, setze ich mich daran, ein Radgesetz zu formulieren. Möge Hohenlohe hier seine politischen Ambitionen ausagieren, bevor er irgendwelche Händel mit Bismarck beschließt!"

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Des Kinis Radltagebuch, Teil vier

Erste Velociped-Nacht: Ein nächtlicher Wallkürenritt


Wenn das kein Zufall ist! Auf den Tag genau 150 Jahre vor der Münchner Radlnacht unternahm der Kini mit einigen Velociped-Begeisterten eine Radtour durch das nächtliche München. Wie wir seinem kürzlich entdeckten Tagebuch entnehmen, ging es ihm auch damals um ideale Fahr-Bedingungen auf zwei Rädern. 

Außerdem erfahren wir, mit wem Ludwig diesen tollkühnen Einfall ausgeheckt hat und von welcher Stelle aus sie starten wollten. Was wir nicht erfahren: Wie viele Teilnehmer konnten insgesamt für diese Idee gewonnen werden. 
Wir hoffen aber, dass am kommenden Samstag möglichst viele Radler bei der Radlnacht erscheinen, um mit uns für ein Radgesetz für Bayern Stärke zu zeigen!
Kommt zu uns und holt euch ein Paar Schwimmflügel! Je mehr Leute mitmachen, umso mehr Aufmerksamkeit bekommt unsere Initiative!

"8. Juli 1868  Nächtlicher Walkürenritt – Erste Velociped-Nacht

Die Schöpfung verlieh dem Individuum die Capacité, sich kraft des eigenen Willens von einem Orte zum andern fortzubewegen. Im Vergleich zur Creathur setzen ihn seine geistigen Kräfte in den Stand, sich Hilfsmittel zu verschaffen. So kann er auch die Schnelligkeit der untergeordneten Geschöpfe erreichen und sogar übertreffen. Wenngleich noch lange nicht so schnell wie der Gepard, so kann ich es mit Leichtigkeit mit den behäbigen Mähren auf den Chausseen aufnehmen.

Auf meinen heimlichen Streifzügen durchs unwirthliche München konnte ich rapidement eine gute Handvoll Mitstreiter finden, die meine Passion für das Velociped teilen. Maschinentechniker Conrad Gautsch und Privatier Christian Erlacher, der königliche Hofbalettmeister Franz Fenzl wie auch die Solotänzer Käsmann und Stettmayer – zwei überaus schneidige Gesellen! - ebenso Josef Stängl vom Café Probst. In selbigem Café waren wir daher jederzeit für ein geselliges Zusammensein willkommen.

Just am Sankt Urbantag muss es gewesen sein, als uns die Idee glorieusement eingegeben ward, des Nachts einen wilden Ritt auf unseren zweirädrigen Schlachtrossen zu unternehmen. Gleich den reitenden Walküren wollten wir uns der Stadt mit all ihren Chausseen habhaft machen. Um ungebremst von der bewaffneten Macht, die uns mit donnerndem Halt zum Absitzen zwingen möchte, vorwärtszukommen, wählten wir das Dunkel der Nacht.

Und tatsächlich: Auf unserer Tour vorbei an den schlafenden Standbildern meiner Ahnen konnten wir wahre liberté erleben.
All Heil!"

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Des Kinis Radltagebuch, Teil drei

Auch in dieser Woche weiß der Radl-Kini wieder Interessantes aus der Welt des Velociped-Fahrens zu berichten.

Diesmal erfahren wir, dass auch schon damals der Stärkere das Sagen auf den Straßen hatte, wie der neue Gruß unter den Radfahrenden lautete und welche Anstrengungen der Kini unternahm, um das Radfahren in Bayern populär zu machen.


"14. Oktober 1867: Wie echte Velo-Helden grüßen.

Es laufen so viele Gerüchte durch die Zeitungen über mich und Sophie, daß ich mich in mein geliebtes Hohenschwangau, den Ort, der mir der theuerste auf Erden ist, verigelt habe. Ich mache viele Ausflüge, neulich ritt ich auf meinem getreuen Radrosse bis nach Imst in Tyrol und kehrte noch am nämlichen Tage hierher zurück. Freilich war ich incognito unterwegs, wie schon so oft erwies mir der Name von Berg vortreffliche Dienste. Das Fortkommen auf den Routes rurales war von erheblichen Hindernissen begleitet. Die Kutscher der Ochsenkarren kennen scheinbar kein Hü und Hott! Mal spazieren sie links, mal rechts auf der Chaussee. Wir Velohelden müssen unsere Spur unter Einsatz unseres Lebens immer wieder von Neuem suchen.

Auf den Straßen macht indes ein neuer Gruß unter uns Velo-Jüngern die Runde: „All Heil!“ Wenn ich unterwegs bin, dann schmettere ich ihn dem Volk wie selbstverständlich zu. Wenn ich die kuriosen Grimaces der Leute sehe, dann möchte ich mich vor Lachen schütteln.

Vor zwei Wochen habe ich mich darangesetzt, in München ein Zeichen für unsere neue Idee zu setzten. Das Standbild des Bayernvolkes – die ehrerbietige Bavaria - ziert ab sofort der Doppellorbeer, ein Symbol des Fortschritts durch die Velocipeden. Es ist en moment nur ein Provisorium, doch zeigte sich Vetter und Courtjumeau Wilhelm begeistert von der Photographie, die ich ihm zugesandt."

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Des Kinis Radltagebuch, Teil zwei

Noch sind wir über alle Maßen überwältigt, welch großartiger Fund unseren ADFC-Historikern da in die Hände gefallen ist. Das Radl-Tagebuch des Kinis!

So kann Jede*r detailliert erfahren, wie König Ludwig II. zum Radfahren gekommen ist und auf welchem Weg er sein erstes Velociped erhalten hat. Außerdem können wir hautnah miterleben, wo und wie er seine ersten Fahrversuche unternahm. In den Unterlagen ist zudem das Autograph mit der Geldanweisung für die Hersteller des Fahrrads, Pierre und Ernest Michaux, aufgetaucht. Demnach hat der Kini 110 Gulden für das Gefährt bezahlt, was heute in etwa 1300 € entspräche!


"3. September 1867: Es ist unterhaltlich!

Mit großem Pomp kam heute die Holzkiste mit der Michaux-Maschine aufgefahren. Kaum konnt ich die ungeduldige Zeit bis zur Lieferung vertreiben. An prompter Bezahlung wird es keinesfalls fehlen! Hornig machte sich gleich daran, die verschiedentlichen Theile in die correcte Facon zu bringen.

Das Fahren mit dem Gefährt geht bey mir schon ganz passabel; gleich zog ich meine Runden durch die Fluchten des Schlosses und fuhr ringsum durch alle Säle. Dabei habe ich so manches Meuble geschrammt. Von Orff wird mich für meine Unbedacht sicherlich schelten. Aber es ist unterhaltlich!

Ich muss in der Kunst zu fahren noch mehr erfahren, ehe ich mich selbst in das Freye getraue. Ob von Jolly in seinen Vorlesungen der Physik schon ein Velociped in seinen Berechnungen bedacht hatte? Aber noch sind die Chausseen der Stadt nicht geschaffen für einen Waghals wie mich, der die Welt in Grund und Boden strampeln möchte! Es ist höchst beklagenswert, daß die Trottoirs den Rittern zu Pedale seit den Draisschen Laufmaschinen verwehrt sind. Ich habe diese Misere bei den Ministern schon vorgebracht. Doch was tun die Herren zu Hohenlohe und ihre Schergen? Sie antichambrieren und machen den Buckel krumm, doch wenn ich, meines Zeichens König des Bayernlandes, die heimischen Wege durchstreifen möchte, setzt man mir einen Klotz vor die Thür!"

Text der Geldanweisung:

"Wir haben uns allergnädigst bewogen, den Maschinenbauern und Construkteuren Pierre und Ernest Michaux für die Auslieferung eines Velocipedes die Auszahlung einer Rate von 110 Gulden anzuweisen.

Hohenschwangau, 4. September 1867"

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Historischer Fund: Radl-Tagebuch von König Ludwig II. aufgetaucht

Vor Kurzem haben ADFC-Historiker bei Recherchearbeiten das königlich-bayerische Velo-Gesetz entdeckt.

Der Erlass desselben wurde bereits 1880 von König Ludwig geplant. Ehe das Velo-Gesetz in Kraft treten konnte, ertrank der Kini am 13. Juni 1886 unter bis heute ungeklärten Umständen im Würmsee.

Neben dem königlich-bayerischen Velo-Gesetz machten die Historiker des ADFC einen weiteren historischen Fund: Das Radl-Tagebuch von König Ludwig II..

Aus Anlass seines 132. Todestages veröffentlicht der ADFC Bayern hier in regelmäßigen Abständen Einträge aus dem Tagebuch des Kinis:

"25. Juli 1867: Auf den Chausseen von Paris!

Ich habe mich der verdammten Höllendämmerung, die mich beständig in ihren qualmenden Dunstkreis reißen will, entzogen. Fern der profanen Alltagswelt, der heillosen Politik, die mit ihren Polypenarmen umschlingen will und jede Poesie so gerne ersticken möchte.

Schon deuchte mir, dass die Generation der Willensfestigkeit und Thatkraft, die Menschen des Muthes und der richtigen Überzeugung, wie ich sie will und brauche, ausgestorben sind. Ich fühlte mich deßhalb wie einsam und verlassen auf dieser Erde, wie übrig geblieben aus einer besseren Zeit, hineingepflanzt in die jetzige, die ich bis jetzt immer gehasst.

Doch dann schickt mir das Schicksal diese Invitation Kaiser Napoleons zur industriellen Exposition in Paris! Und wollte ich mir auch so manche Inspiration für mein architektonisches Königsmärchen holen, so ist jetzt mein Augenmerk auf ein ganz anderes Erzeugnis gestoßen. In den riesigen Hallenfluchten der Weltschau erblickte ich ein Fahrgerät der gänzlich anderen Art. Ein gewisser Michaux will es erdacht haben: das Velociped. In Paris sind diese Vehikel schon eine feste Institution und dort ist das Velofahren quasi soziale Praxis geworden. Den Leuten auf den Chausseen scheint es so wichtig wie das Tanzen und das Reiten. Das ist der Schlag Mensch, auf den ich bauen möchte!

Ein Exemplar habe ich mir für mein persönliches Amüsement schon erstanden… und einen osmanischen Kiosk. Mein Lebensglück scheint wiederhergestellt!"

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